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Musikwerkstatt Presse Reviews Soulhossas

Hüpft alle hoch! 7/11/08

„Wir rocken ab“: Die „Soulhossas“ legen eine neue CD vor

VON KATHRIN KIPP

SoulhossasHossa! Die integrativen Musikwerkstatt-Partyrocker, die Soulhossas, waren im Studio und stellen jetzt am Samstag im Haus der Jugend ihre neue CD vor: „Wir rocken ab“ mit gutgelaunt knackigen Gitarrensongs.

Reutlingen. Vorne machen die fetten Gitarren Dampf, und der Drummer rockt, was das Zeug hält. Hinten schreit jemand in den höchsten Tönen „Yeah Yeah“, während Frontmann Harald die imaginären Massen zum Mitfeiern auffordert: „Hüpft alle hoch, schreit alle Yeah“.
„Wir rocken ab“ lautet der programmatische Titel der neuen CD der Soulhossas, die in nur neun Songs inklusive bösem Heavy-Metal-Intro praktisch die Rock’n’Roll-Palette abhandeln. Mit „Wir feiern jeden Tag“ steigt die Party und mit „It’s my love forever, Baby come back“ ist alles gesagt zum Thema Liebe.

Ansonsten rasen die sechs Musiker „mit Vollgas auf der Autobahn“, bevor es nach Feierabend ums Wesentliche geht: „Ich schalt die Glotze an und schau Fußball.“ Und das Wichtigste – ja keine Hemmungen zeigen: „Leute kommt her, und seht, dass ich ein toller Typ bin“, singt Sänger Harald ohne Bescheidenheit. Aber die Soulhossas bringen’s nicht nur textlich auf den Punkt und hauen dazu ordentlich rein, sie können auch liebliche E-Gitarren und viel Gefühl. „Behinderung ja oder nein, das ist doch egal, unsere Musik, unsere Shows, sind einfach genial“ lautet dabei das Motto der sympathischen Krachmacher. Und so bekommen sie mit ihrer unbefangenen Einstellung und ihren unverwechselbaren Live-Auftritten immer mehr Gigs – auch überregional.

Unter anderem spielten sie beim integrativen Kulturfestival „Look Cologne“ in Köln. Ein Abenteuer: Zum ersten Mal war die Gruppe über Nacht unterwegs, erzählt die Bandanleiterin Birgit Neugebauer, mit allem Drum und Dran: Rock’n’Roll-Bus, Auftritt, Jugendherberge, Nightlife.
Eine ganz neue Erfahrung für die Jungs, die sofort einen „Kölle-Song“ daraus gemacht haben: „Wir lieben die Großstadt, die Großstadt liebt uns“, mit den bekannten Nebenwirkungen („Wir lassen dem Kater freien Lauf“), die sie aber gern in Kauf nehmen: „Wir schütten Kaffee rein, so muss ein Superstar sein.“

Die Auftritte der Soulhossas sind etwas Besonderes, meint Birgit Neugebauer, da sie eine der wenigen integrativen Bands seien, bei der die Musiker mit Behinderung nicht nur Statisten sind, sondern als vollwertige Mitglieder die Gitarre schwingen oder in die Tasten hauen und so den Sound und die Live-Performance entscheidend mitgestalten. Zwar liefern Birgit Neugebauer und Markus Widmaier an Gitarre und Bass das melodiöse Fundament, aber Matthias Stöckl am Schlagzeug, Manuel Hubatschek am Keyboard, Felix Schweikert mit seinem Background-Gesang und Sänger Harald Beck als perfekter Entertainer haben sich in den jüngsten Jahren musikalisch enorm weiterentwickelt. Die Zeit war deshalb einfach reif für aktuelle Aufnahmen, mit denen man jetzt bis nach „Paris, London, Berlin“ kommen will.

Bis es soweit ist, sind die Soulhossas nicht nur für integrative, sondern auch für „normale“ Festivals gebucht, deren Veranstalter von der Authentizität der Band und der Stimmung, die sie verbreitet, begeistert sind. Außerdem entstehen Netzwerke: So waren die Soulhossas mit ihren Freunden von „Mary Greenwoods“ aus Wittlich auf Mini-Tour und haben dabei sogar einen Mini-Video-Live-Clip abgestaubt, der auf der CD-Release-Party zu sehen ist.

Ganz ohne Unterstützung geht’s freilich nicht: Die CD wurde finanziert von „Der Gesellschafter“, einer Initiative der „Aktion Mensch“, die schon viele solcher Projekte der Musikwerkstatt unterstützt hat.

Info

„Wir rocken ab“: Eine CD-Release-Party mit den Soulhossas steigt am Samstag, 8. November, im Haus der Jugend, Café Luna, 19 Uhr. Support: „Miners Hand“.

Originalartikel erschienen am 07.11.2008 in den Reutlinger Nachrichten.